MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Israelische Politiker bekennen sich zu Joint-Konsum

in Israel Zwischenzeilen

„Haben Sie schon einmal einen Joint geraucht?“ – diese Frage beantwortet wohl kein Politiker gerne. In Israel, wo sich der Konsum von Haschisch und/oder Marihuana durch alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen zieht, wohl noch weniger. Als ein Journalist kürzlich Finanzminister Yair Lapid nach seinen Erfahrungen mit den Drogenzigaretten befragte, bestritt dieser entschlossen, jemals auch nur einen Joint geraucht zu haben. Danach meldeten sich unzählige ehemalige Studienkollegen bei den Medien und berichteten vom Gegenteil.

Diese kleine Politikerposse hat eine förmliche Welle von Joint-Geständnissen israelischer Politiker nach sich gezogen. Plötzlich gaben auch diejenigen, die nie gefragt wurden, zu, schon mal einen „gepafft“ zu haben. Vor allem Knesset-Mitglieder der Arbeiterpartei sowie von Lapids Partei „Yesh Atid“ und der linken „Meretz“ berichteten davon, schon einmal Gras probiert zu haben. Die Mehrheit der Minister leugnete jedoch, jemals einen Joint geraucht zu haben.

In Bezug auf die medizinische Verwendung von Cannabis, ist Israel bereits seit Jahren Vorreiter. Rund 11.000 Israelis erhalten die Droge auf Rezept. Kürzlich gab das „Jerusalem Institute for Market Studies“ einen Bericht heraus, demzufolge durch die Legalisierung von Marihuana rund 450 Millionen Dollar eingenommen werden könnten. Einige Mitglieder der Knesset, wie Likud-Vertreter Moshe Feiglin, setzen sich für die Legalisierung ein. Die Studie zeigt auch auf, dass im Jahr 2012 rund 275.000 Israelis, etwa 4 Prozent der Bevölkerung, Marihuana geraucht haben. Zum Vergleich: In Deutschland nutzten 2011 etwa 2,5 Prozent, in der Schweiz etwa 6 Prozent der Bevölkerung Marihuana.

Kleine Zigarette – grosse Wirkung, in Israel wird derzeit der Joint-Konsum israelischer Politiker diskutiert (Bild: Wikipedia).
Kleine Zigarette – grosse Wirkung, in Israel wird derzeit der Joint-Konsum israelischer Politiker diskutiert (Bild: Wikipedia).

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Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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