MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Angst vor Brain Drain: Israel diskutiert Abwanderung von Wissenschaftlern

in Israel Zwischenzeilen

Es sollte eigentlich eine gute Nachricht sein: Zwei der Nobelpreisträger für Chemie sind israelische Wissenschaftler. Der Haken an der Sache ist allerdings, dass beide schon vor einer ganzen Weile in die USA ausgewandert sind und dort leben und forschen. Diese Information und die Tatsache, dass mittlerweile rund 17.000 Israelis allein in Berlin leben, führte zu einer hitzigen Diskussion über den gefürchteten „Brain Drain“ im Land.

Brain Drain, damit sind volkswirtschaftliche Verluste durch die Emigration besonders ausgebildeter oder talentierter Menschen aus einem Land gemeint. Akademiker, Künstler, Fachkräfte – die meisten westlichen Länder fürchten diese Abwanderung. Auch in Ländern wie der Schweiz oder Deutschland wird der Brain Drain talentierter Akademiker immer wieder diskutiert. In Israel sollen, laut einer Studie des Taub Instituts, seit 2008 durchschnittlich ein bisschen mehr als ein Wissenschaftler von fünf die israelische Universität für eine amerikanische verlassen haben. Nach einem Bericht des Ministeriums für Wissenschaft und Technologie lebten 2011 rund 10 Prozent der Israelis, die einen Doktortitel haben, im Ausland.

Neben der akademischen Abwanderung in die USA und nach Europa, wird aber auch die Abwanderung junger Israelis allgemein diskutiert. „Ich habe wenig Verständnis für diejenigen, die bereit sind, das einzige Land der Juden auf die Müllhalde zu werfen, nur weil es leichter ist, in Berlin zu leben.“, echauffierte sich Finanzminister Yair Lapid kürzlich als es mal wieder um die meist jungen Israelis ging, viele von ihnen Kreative und Künstler, die ausgerechnet in der deutschen Hauptstadt eine Zukunft sehen. Dabei war Lapid 1997 selbst ins Ausland gegangen, um seine journalistische Karriere voranzutreiben. Und bei aller Diskussion sollte man zwei Dinge nicht vergessen: Viele Israelis würden jederzeit zurückkehren, wenn die Lebenserhaltungskosten nicht so hoch und israelische Gehälter im Vergleich nicht so niedrig wären. Und trotz allem ist Israel immer noch weltweit für seine ausgezeichneten Forschungsinstitute und hervorragenden Forschungs- und Entwicklungsabteilungen im High-Tech-Bereich bekannt.

Nobelpreisträger für Chemie, Arieh Warshel, wurde 1940 im Kibbuz Sde Nahum geboren. Er lebt seit 40 Jahren in den USA. (Bild: Wikimedia Commons)
Nobelpreisträger für Chemie, Arieh Warshel, wurde 1940 im Kibbuz Sde Nahum geboren. Er lebt seit 40 Jahren in den USA. (Bild: Wikimedia Commons)

Weitere Informationen:

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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